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Karl Zettl - Ein Leben für den Motorsport

Ein Neustädter erhält die höchste Auszeichnung, die der ADAC zu vergeben hat: Karl Zettl wurde bei der Mitgliederversammlung in München geehrt.

 Von Jochen Dannenberg

Es ist eine nüchterne Meldung, die der ADAC Südbayern zu einer der wichtigsten Ehrungen, die er zu vergeben hat, verbreitet. “Bei der Mitgliederversammlung des ADAC Südbayern in München wurde Karl Zettl für seine langjährigen Verdienste um den MSC Neustadt und den Regionalclub des ADAC mit der Ehrennadel in Gold mit Brillanten ausgezeichnet”, heißt es da. Es handele sich bei der Ehrung “um die höchste vom Automobilclub vergebene Würdigung für ehrenamtlich tätige Funktionäre, die sich in herausragender Weise verdient gemacht haben”.

Was dahinter steckt, liest sich in nüchternen Sätzen so: “Seit 42 Jahren engagiert sich der 73-Jährige in der Vorstandschaft seines Heimatclubs. 1974 wurde er zum 2. Vorsitzenden gewählt, vor 18 Jahren zum 1. Vorsitzenden. Darüber hinaus war er viele Jahre lang als Renn-, Sport- und Organisationsleiter im Einsatz.”

 

“Engagierter Vorsitzender”

Ulli Nowak, stellvertretender Vorsitzender des ADAC Südbayern, holte bei der Laudatio in der Landeshauptstadt ein wenig weiter aus. “Karl Zettl ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein engagierter Vorsitzender als Vorbild seinen Club prägt”, stellte Nowak fest. Der MSC Neustadt sei seit mittlerweile 50 Jahren aktiv im Speedway-Sport und richtet am 23. und 24. April erneut das Internationale ADAC-Speedway-Rennen aus. Ebenso organisiert der Club jährlich ein Oldtimer-Treffen mit Fahrzeugsegnung, ein Geschicklichkeitsturnier für Rollstuhlfahrer, Faschings- und Nikolausfeiern sowie Städtefahrten. Zudem arbeitet der Verein im Rahmen der Städtepartnerschaft eng mit dem rund 200 Mitglieder zählenden Motorrad-Club der italienischen Partnerstadt Recoaro Terme zusammen.

50 Jahre Speedway-Sport in Neustadt - es sind Jahre, die Karl Zettl maßgeblich beeinflusst hat. Dabei war er zunächst bei der “Konkurrenz” in Abensberg aktiv. “Angefangen habe ich beim MSC Abensberg”, erzählt “Mister Motorsport”. “Doch dann begann man auch in Neustadt mit den Speedway-Rennen. Und da haben sie mich abgeworben.”

“Sie” - das waren die Neustädter Speedway-Fans und Rennorganisatoren. Die erklärten dem Bad Gögginger Gastronom und Hotelier, wo denn eigentlich seine Heimat sei. Karl Zettl verstand sofort und engagierte sich augenblicklich bei den Neustädtern.

Die Liebe und Leidenschaft für den Motorsport hatte den Bad Gögginger zu diesem Zeitpunkt längst ergriffen. “Die Technik, die Begeisterung für Motoren, der Spaß an der Leistung und der Sound der Fahrzeuge hatte uns junge Leute begeistert. Dazu kam die Freude am Wettkampf.” Zettl fuhr selbst Rennen - als Jugendlicher Trial mit dem Motorrad, später Bergrennen mit dem Auto und GoKart. “Damals”, erinnert Zettl, “konnte man noch was mit Serienfahrzeugen machen.” Motorsport war noch eine Leidenschaft, für die man nicht unbedingt viel Geld brauchte. Wichtiger war fahrerisches Können - und Mut. Nicht selten, wie bei den Bergrennen, ging es über Landstraßen und die kannten weder Prallschutz noch Auslaufzonen.

Große und kleine Träume

“Motorsport ist teuer geworden”, sagt Zettl. Und nicht nur das habe dazu beigetragen, dass die Freude an Motoren heutzutage nicht mehr so groß ist wie in den fünfziger und sechziger Jahren. Es wird immer schwieriger, die Auflagen der Motorsportverbände und der Behörden zu erfüllen. Zettls Liebe zu Autos und Motorrädern tut das jedoch keinen Abbruch. “Wenn man älter wird, macht man was mit Oldtimern”, sagt er. Für den 73-Jährigen ist dies seit vielen Jahren ein Mercedes 220-Cabrio, Baujahr 1951. “Es ist einfach schön, alte Fahrzeuge wie diesen Mercedes zu erleben. Es weckt in mir Erinnerungen an meine Jugend. Bei diesem Sechszylinder gibt es noch keine Servolenkung, das lässt sich mit modernen Autos gar nicht mehr vergleichen.”

Neben dem Mercedes besitzt Karl Zettl auch noch eine BMW Isetta. “Dieser Kleinwagen war mein Jugendtraum. Aber es ging nicht. Darum habe ich mir damals geschworen: Irgendwann kaufe ich mir eine Isetta.” Die Gäste des Hotels Eisvogel in Bad Gögging kennen das Auto. Die Isetta hat seit vielen Jahren ihren Ehrenplatz in der Hotelhalle. Sie ist nicht nur Dekoration. “Sie ist fahrbereit”, sagt Zettl.