Neustadt: Ein feste Größe im Speedway-Zirkus

Mit dem neu erbauten Anton-Treffer-Stadion im Rücken, das hervorragende Möglichkeiten für den Motorsport bot, machte sich der MSC Neustadt in den vergangenen 20 Jahren seit der Eröffnung der neuen Bahn dank perfekter Organisation und hochkarätig besetzter Rennen schnell ein Namen als Speedway-Veranstalter auch weit über die Grenzen Niederbayerns hinaus. Da jährlich im Schnitt zwei Speedway-Wettbewerbe ausgetragen wurden, ist die Liste der vom MSC ausgetragenen Rennen fast genauso lang wie die Aufstellung der Weltmeister, die in Neustadt schon am Start waren. Alle aufzuzählen ist daher fast ein Ding der Unmöglichkeit. Deshalb soll an dieser Stelle der Blick auf die herausragenden Akteure und Wettbewerbe fokussiert werden.

Natürlich durfte auch das größte Speedwayidol aller Zeiten in Neustadt nicht fehlen. Der mehrmalige Weltmeister Ivan Mauger aus Neuseeland ließ beispielsweise am 7. August 1983 der Konkurrenz in Neustadt vor über 6000 Besuchern erwartungsgemäß der Konkurrenz keine Chance, obwohl diese mit Bobby Schwartz und John Davies keineswegs schwach besetzt war.

Die Führungspersönlichkeiten des MSC mit dem Speedwayidol: Karl Zettl, Hans Kirchhammer sen., Weltmeister Ivan Mauger, Stadionsprecher Helmut Korn und Hans Pfaller (v. l.)

Mit Hans Nielsen war ein weiterer mehrfacher Weltmeister Stammgast im Anton-Treffer-Stadion. Der Däne war in guter Gesellschaft: Marvin Cox, Andi Smith, Bruce Renhell und Jeremy Doncaster – um nur einige zu nennen – drehten immer wieder und vor allem gerne ihre Runden in Neustadt. Natürlich mangelte es auch nicht an Lokalmatadoren. Mit Karl Maier, Gerd Riss, Klaus Lausch und Robert Barth war auch die deutsche Elite, die in der Gunst des Publikums besonders hoch stand, oftmals in Neustadt am Start.

Doch nicht nur die Fahrer, sondern auch die Rennen waren herausragend. Der MSC, der sich in den 80ern hauptsächlich auf Prädikatsrennen konzentrierte, war beispielsweise Veranstalter des Kontinental-Finales zur Mannschaftsweltmeisterschaft (7. Juli 1985)oder das Einzel-Viertelfinale (8. Mai 1994). Auch für zahlreiche DM-Vorläufe war Neustadt Austragungsort.

Hochkarätige Fahrer und Rennen lockten die Speedway-Fans regelmäßig nach Neustadt.

Doch in der Folgezeit wurde der MSC mehr und mehr bei der Vergabe der Rennen gegenüber anderen Vereinen benachteiligt. Statt wichtiger und interessanter Endläufe erhielten die Neustädter meist nur mehr für wenig bedeutende Vorläufe den Zuschlag. Dies hatte negative Folgen: Den hohen Kosten standen nur mehr beschränkt zugkräftige Fahrerfelder und damit auch nur mehr ein geringer Zuspruch gegenüber. Dieser resultierte allerdings auch aus dem generell nachlassenden Interesse am Speedwaysport. Neben der allgemeinen Übersättigung und dem Überangebot an Sportarten, war hierfür auch die mangelnde Qualität der deutschen Fahrer, die nicht mehr zur Weltspitze zählten, eine Ursache. Die Formel „Viele Kosten – mäßiger Erfolg“ bewog den deshalb MSC dazu von den Prädikatsrennen Abschied zu nehmen und künftig auf internationale Rennen zu setzten. Der Erfolg gab den Verantwortlichen recht. Mit eigens zusammengestellten attraktiven Fahrerfeldern und selbstgesteckten finanziellen Rahmen kam der MSC nun wieder besser über die Runden. Und die Zuschauer auf ihre Kosten, denn nun war auch die Weltklasse des Speedwaysports wieder in Neustadt dabei.

Auch beim Rahmenprogramm versuchte der MSC immer wieder Akzente zu setzten und dem Publikum interessante Darbietungen neben den Hauptrennen zu bieten. Zu den spektakulärsten Einlagen zählte sicherlich der 1991 ausgetragene Vergleichskampf zwischen einem Renntruck und einem Motorrad auf der Speedwaybahn. Trotz 1200 PS musste sich Vizeeuropameister Hans von der Marwitz damals aber dem zweirädrigen Konkurrenten knapp geschlagen geben.

Die Fahrer lieferten sich im Anton-Treffer-Stadion immer wieder packende Duelle um Punkte und Pokale.