Rückkehr in die Speedway-Bundesliga

Mit den hervorragenden Bedingungen, die das neugeschaffene Stadion bot, reifte beim MSC Neustadt auch der Gedanke, erneut an der Speedway-Bundesliga teilzunehmen. Bereits 1973 hatten sich die Neustädter mit dem Nachbarverein aus Abensberg verständigt und zusammen eine Mannschaft gestellt, die jedoch 1974 wieder aufgelöst wurde. Die Neustädter Rückkehr in den Ligenbetrieb erfolgte 1982. Unter der Anleitung von Trainer Waldemar Bacik startete eine junge Neustädter Truppe, die von Martin Burger betreut wurde, in der B-Bundesliga. Schnell konnte die MSC-Mannschaft erste Erfolge feiern, was vor allem der Erfahrung Baciks – mit Landshut selbst mehrfacher Deutscher Meister im Speedway – zu verdanken war.

Die B-Mannschaft von 1984: Klaus Freundorfer, Peter Lichtenauer, Michale Datzmann, Jakob Konrad, Heinz Huber, Alois Pinzinger (von li.).

Durch die Erfolge angespornt, stellten die Neustädter 1984 neben einer B-Mannschaft, die fortan Hans Kirchhammer jun. betreute, auch erstmals eine Truppe für die A-Speedway-Bundesliga. Den Sprung in die höchste deutsche Speedwayklasse wagte der MSC mit den Talenten Michael Datzmann, Alois Pinzinger und Heinz Huber, die aus der Nachwuchsarbeit des Clubs hervorgegangen waren. Um die Mannschaft noch zu verstärken, verpflichtete Betreuer Burger Bacik (bisher nur Trainer) sowie DM-Finalist Peter Nieder vom MSC Pocking. Bei der A-Liga-Premiere stand dem MSC das Glück allerdings noch nicht zur Seite. Zahlreiche Stürze und Ausfälle verhinderten ein besseres Abschneiden. Vor allem Michael Datzmann hatte am Anfang noch Probleme mit seinem neu entwickelten Motorrad. Der Sohn der mehrmaligen Europameister im Seitenwagengespann, Michael und Rosamunde Datzmann, drehte seine ersten Speedway-Runden für Neustadt und sorgte auch bald Furore. Schon 1983 war Datzmann der beste deutsche B-Fahrer. Sein selbst entwickelter und in Eigenregie gebauter liegender Motor, für den er damals noch von der Konkurrenz belächelt wurde, gilt mittlerweile als technischer Standard im Speedway-Sport.

Deutscher Vizemeister 1985: Franz Kreimoser, Sepp Goldbrunner, Betreuer Manfred Burger, Heinz Huber, Betreuer Hans Kirchhammer (hintere Reihe von li.), Peter Nieder und Neil Evitts (vorne von li.).

Nach und nach kam die MSC-Mannschaft allerdings über die Anfangsprobleme hinweg und bereits das zweite Jahr in der höchsten Liga beendeten die Neustädter als deutscher Vizemeister. Der bis dahin größte Erfolg der Vereinsgeschichte wurde beim Abschlussrennen in Ruhpolding am 13. Juli 1985 sicher gestellt. Mit den Fahrern Peter Würtele, Heinz Huber, Klaus Freundorfer, Josef Goldbrunner, Franz Kreimoser, Neil Evitts, Armando Castagna und Marvin Cox wiederholte der MSC dieses Kunststück im darauffolgenden Jahr nochmals. Für die Neustädter wäre 1986 sogar der deutsche Meistertitel in greifbarer Nähe gewesen, hätte nicht eine gehörige Portion Pech den Triumph im letzten Moment noch verhindert. Beim entscheidenden Rennen in Landshut musste der MSC auf den Engländer Marvin Cox verzichten, der bei seiner Anreise statt Benzin irrtümlicherweise Diesel getankt hatte und deshalb in Frankfurt auf halber Strecke steckengeblieben war.

Das letzte mal in der Speedway-Bundesliga fuhr die Mannschaft des MSC Neustadt in der Saison 1987. Neben den Lokalmatadoren Kreimoser, Freundorfer, Peter Schöck und Richard Biblishauser sorgte vor allem die Verpflichtung von Castagna, dem 30-fachen Tschechischen Meister Jiri Stancl und Weltmeister Hans Nielsen erneut für ein sehr stark besetztes Team. An den Erfolg der Vorjahre konnte die Mannschaft allerdings nicht mehr anknüpfen, was nicht zuletzt an den fehlenden Trainingsmöglichkeiten lag. Während in der Anfangsphase noch einmal wöchentliche Übungsfahrten im Anton-Treffer-Stadion möglich waren, machte der Gesetzgeber und die Nachbarn mit einer Beschränkung auf lediglich zwei Läufe pro Jahr dem Verein nun endgültig einen Strich durch die Rechnung. Abhilfe konnte da auch kein Trainingslager – wie das 1987 in Castellmassa in Italien abgehaltene – schaffen.

Traurig über das Aus in der Speedway-Bundesliga war vor allem der Neustädter Speedway-Fanclub, der bereits 1983 gegründet wurde und dem auch die Fahrer Pinziger und Datzmann angehörten.